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Formatvergleich Nikon FX gegen DX

Formatvergleich Nikon FX gegen DX

2007-09-18   Letztes Update: 2012-09-13

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Nikon FX gegen DX D3 D300 Format-Vergleich

Am 23. August 2007 war es so weit: Nikon stellte mit der D3 seine erste Digitalkamera mit einem Sensor in der Größe des Kleinbildformates vor und nennt dieses Format FX. Die Daten waren mit 12 MPx und 9 Bilder/s beeindruckend. Doch gleichzeitig stellte Nikon auch die D300 vor, eine Kamera im bekannten DX-Format, dessen Sensor etwa halb so groß ist wie der FX-Sensor der D3, die aber ebenfalls 12 MPx bot. Als Unterschied bleiben eigentlich nur die Sensorgröße und (damit verbunden) dessen Empfindlichkeit. Im Laufe der Jahre kamen D700, D3X, D3S, D4, D800, D800E und gerade heute die D600 als weitere FX Kameras hinzu. Auch im DX Format gab es laufend weitere Kameras, am oberen Ende steht seit September 2010 die D7000. Die Frage FX oder DX ist also auch heute noch aktuell, vielleicht sogar noch wichtiger als bisher. Mit diesem Artikel will ich versuchen, die Formatfrage praxisrelevant zu klären.

FX Vorteile

Besserer Sucher

Ein größerer Sensor bedeutet bei einer Spiegelreflex immer auch einen größeren Spiegel und damit - wenn ich den Sucher auch einfach vergrößere - einen größeren Sucher. Oder man bündelt das Licht etwas mehr und hat dadurch einen helleren Sucher. Nikon macht eine Mischung aus beiden: größer und heller. Wie ich schon beim Vergleich der D80 mit der D70 schrieb: Ein guter Sucher ist entscheidend für die Bildkomposition. Ein besserer Sucher ist daher immer willkommen. Hier kann das FX-Format punkten.

Geringere Schärfentiefe

In dem selben Maß, wie man den Sensor vergrößert, verringert man gleichzeitig auch die Schärfentiefe bei gleicher Blende. Bei Faktor 1.5 (FX zu DX) entspricht dies einem Aufblenden um ca. eine Blende: Die geringe Schärfentiefe die ich bei DX mit Blende 1.4 bekomme, habe ich bei FX schon mit Blende 2.0. Und das was ich bei FX mit Blende 1.4 an geringer Schärfentiefe hinbekomme, kann ich bei DX gar nicht erreichen, weil es das passende 1.2 er Objektiv einfach nicht gibt. FX gewinnt hier also durch die Tatsache, dass sich die Lichtstärke (größte mögliche Blende) von Objektiven konstruktiv nicht unendlich hoch treiben lässt: Im Kleinbildbereich ist üblicherweise ist bei 1.4 Schluss, ein paar exotische Objektive zeigen mit 1.0 das Ende der Fahnenstange. Und DX ist da nicht besser, sogar eher etwas schwächer aufgestellt. Auf der anderen Seite gewinnt DX aber nicht automatisch durch größere Schärfentiefe, da sich Objektive auch nicht unendlich abblenden lassen und bei kleinen Blenden die Beugung zu Unschärfe führt. Insgesamt also ein weiterer Vorteil für FX. Wie groß dieser zu bewerten ist, muss jeder Fotograf für sich selbst entscheiden. Im klassischen Beispiel der Portrait-Fotografie hat mir schon ein 50 mm mit Blende 1.8 an DX oftmals zu wenig Schärfentiefe - da braucht es dann auch kein FX.

Höhere Empfindlichkeit

Ein größerer Sensor fängt mehr Licht ein. Wenn ich die Chip-Diagonale um den Faktor 1.5 vergrößere, dann ist der Chip gut doppelt so groß. Bei gleicher Auflösung bekommt jeder Pixel also doppelt so viel Licht und ist damit empfindlicher, funktioniert also auch bei weniger Licht bzw. rauscht weniger. Das sehen wir auch beim Vergleich von D3 zu D300 mit ISO 6400 zu ISO 3200. Damit haben wir allerdings nur die eine Seite der Medaille: Um die gleiche Schärfentiefe zu erhalten, muss ich nun nämlich um den selben Faktor abblenden, bei 1.5 also ca. eine Blende. Das bedeutet aber auf den Sensor fällt nur noch die Hälfte an Licht. Damit ist der schöne Empfindlichkeitsvorteil leider gleich wieder dahin. Ich gewinne die höhere Empfindlichkeit also nur wenn ich mit der Schärfentiefe runtergehe - genau wie auch innerhalb eines Formats. Für Motive, bei denen ich mit der geringen Schärfentiefe leben kann - sie vielleicht sogar wünsche - gewinne ich also an der hohen Empfindlichkeit. In der Available-Light Fotografie oder bei Hallensportarten, wo oftmals jedes bisschen Licht zwischen verwackelt/verwischt/verrauscht oder ok entscheidet, wird FX daher gerne gesehen sein. In den Fällen wo ich eine bestimmte Schärfentiefe benötige, hilft mir das größere Format hingegen nicht.

Zugunsten eines größeren Formats sprechen neben dieser theoretischen Betrachtung allerdings noch die Stege zwischen den Sensorpixeln. Diese decken bei einem größeren Chip eine relativ geringere Fläche des Chips ab, womit dieser gegenüber einem kleinen Chip nochmal etwas empfindlicher ist. Diese Stege werden allerdings von Sensorgeneration zu Sensorgeneration immer kleiner und dank Mikrolinsen evtl. irgendwann praktisch Null. Aus verschiedenen Testergebnissen (vor allem dpreview) sehe ich ein ca. anderthalb Blenden geringeres Rauschen der D3 gegenüber der D300. Bereinigt man dies um die eine Blende geringere Schärfentiefe, so bleibt ein rein technische Vorteil von einer halben Blende. Dieser Wert wird mit verbessertes Sensortechnik weiter sinken. Wer sehr geringe Schärfentiefe mag, braucht, oder damit leben kann, für den bringt FX also eine Menge an zusätzlich nutzbarer Empfindlichkeit. Wer eine gewisse Menge an Schärfentiefe braucht, für den ist der Gewinn gegenüber DX nur gering.

Höhere Auflösung

Natürlich kann man die größere Sensorfläche auch benutzen um die Auflösung zu erhöhen - Nikon hat dies mit der D800 und beeindruckenden 36,3 MPx getan. Doppelte Fläche ermöglicht doppelte Auflösung bei gleicher Empfindlichkeit, aber dann auch wieder geringerer Schärfentiefe. Wer Landschaften mit Stativ fotografiert, der kann trotzdem noch abblenden und nimmt die längeren Belichtungszeiten in Kauf. Alternativ könnte er aber auch mehrere Einzelbilder zusammenmontieren ("stitchen"). Auch hier die Frage: Wer braucht höhere Auflösung? In der Praxis habe ich erfolgreich 50x75 cm Abzüge von 4 MPx gemacht, bereits mit 10 MPx hat man selbst nach Beschnitt noch ordentlich hohe Auflösung. Wenn man sieht, welche Auflösungen heute in Kompaktkameras erreicht werden, dann hat schon das DX Format noch eine Menge Potential. Wer aktuell sehr hohe Auflösung möchte (z.B. für Fine-Art-Poster in DIN-A1) und den doch wesentlich größeren Aufwand des Mittelformats scheut, der kann sehr gut Nikon-FX fündig werden, in Form der D800 oder D800E.

Mehr Weitwinkel

Ein Kameraformat existiert nicht im leeren Raum, sondern besteht sowohl aus den vorhandenen Kamera-Bodies, wie auch den passenden Objektiven. Für das DX-Format gab es am Anfang kaum Weitwinkel, da die vorhandenen Objektive nicht auf den kleineren Sensor angepasst waren. Von den 100° Bildwinkel (diagonal) eines 18 mm Kleinbild-Super-Weitwinkels blieben da gerade mal 77° an DX übrig. Dieser Bildwinkel wäre bei Kleinbild mit 27 mm Brennweite erreicht und nur noch ein normales Weitwinkel, gar nicht mehr "super" - da schlug der berühmte Crop-Faktor zu. Nikon hatte damals erfreulich schnell reagiert und mit dem DX 12-24 mm WW-Zoom ein Objektiv rausgebracht, das diese Lücke füllt, Tokina folgte mit einer preiswerteren Variante. Soll der Bildwinkel noch größer werden, dann gibt es für DX nur noch Fisheye-Objektive: Nikon DX 10.5 mm und Tokina 10-17 mm mit jeweils max 108° Bildwinkel. Für FX stellt Nikon der D3 gleich ein 14-24 mm Superweitwinkelzoom zur Seite, das ganze 114° Bildwinkel erreicht. Das DX-Format kann hier (derzeit) nicht mithalten.

Sonstiges

Der Dynamikumfang von D3 und D300 ist bei JPEG praktisch gleich. Im 14-bit Modus und mit optimierter RAW-Bearbeitung kann die D3 in dunklen Bereichen noch gut eine Blende mehr sichtbar machen, sie spielt hier wieder die Sensorvorteile aus.

DX Vorteile

Kleiner, Leichter

Ein kleinerer Sensor ermöglicht ein etwas kleineres und leichteres Gehäuse, allein schon durch den kleineren Sucher. Bei vergleichbarem Gehäuse ist die D3 100 g schwerer als die D2Xs. Inzwischen gibt es von Nikon im DX-Format nur noch Kameras mit Plastikgehäuse, das DX-Spitzenmodell ist die D7000. Sie ist etwas kleiner als die kleinste FX-Kamera, die D600, und 70g leichter - das ist nicht viel. An dieser Entwicklung sieht man auch, dass Nikon das FX-Format vom Profisektor nach unten weiterentwickelt und inzwischen für DX neben vielen Einsteigerkameras nur noch ein anspruchsvolles Modell anbietet.

Deutlicher wird der Gewichtsunterschied bei den Objektiven, vor allem im Telebereich, wenn ich statt eines 300 mm nur ein 200 mm mitnehmen muss, um den selben Bildwinkel zu erreichen. Gleiche ich den kleineren DX-Chip durch eine Blende mehr Lichtstärke aus, dann wird der Gewichtsvorteil kleiner: das AF-S 2.0 / 200 mm VR und das AF-S 2.8 / 300 VR wiegen sogar das Gleiche, wobei das 200 er immerhin 25% kürzer ist. Ein 2.8 / 400 mm ist dann aber doch etwas leichter als ein 4 / 600 mm.

Mehr Tele

Wo der kleinere DX-Sensor am einen Ende den Bildwinkel der Weitwinkel beschneidet, "verlängert" er am anderen Ende die Tele-Objektive. Da alle Kleinbild / FX-Objektive auch an DX passen, wird DX immer den kleineren Bildwinkel, sprich das stärkere Tele erreichen. Manch ein Canon "Vollformat" Fotograf guckte daher auf Safaris neidisch zu Nikon, weil man dort an der D2X mit 600 mm nicht 3,5° sondern sogar 2.3° Bildwinkel erreicht. Und das Telezoom 200-400 bekommt an DX gerade den für Safaris gewünschten Telebereich und ist dabei sogar noch recht handlich (in diesem Zusammenhang lesenswert: Alles dreht sich, alles bewegt sich... (Fritz Pölking)).

Billiger

Größer ist immer auch teuerer. Bei den Objektiven macht das zwischen FX und DX im Telebereich ca. 15% aus. Einen größeren Unterschied gibt es zwischen den lichtstarken 50 ern und 85 ern als Portraitbrennweiten. Beim Gehäusepreis spielt der größere Sensor und Sucher eine Rolle. In der Chipfertigung bedeutet doppelte Sensorgröße auch das doppelte an Ausschuß und damit mehr als den doppelten Preis. Da ein Gehäuse nun noch viele andere Komponenten beinhaltet, wird der Unterschied kleiner. Fest steht aber: FX wird immer etwas teuerer bleiben als DX. Die D3 als Topmodell war mit 4849,- Euro gegenüber 1829,- Euro für die D300 mehr als 2,5 mal so teuer, bei gleicher Auflösung und gleichem Autofokus. Die D600 kostet 2149,- Euro gegenüber 1189,- Euro für die D7000, das ist noch immer knapp der doppelte Preis.

Fazit

Die Frage ist, wer benötigt eine etwas höhere Empfindlichkeit, eine noch geringere Schärfentiefe oder noch mehr Weitwinkel wirklich? Es gibt sicher Bereiche in denen dies ein Thema ist und deren Fotografen den doppelten Preis für ein FX-Gehäuse bereitwillig zahlen. Für sie ist das Format FX in Form der D3 genau richtig. Wer hingegen viel Tele benötigt oder gerne mit kleinem und leichten Gepäck reist, mag DX weiterhin sympathischer finden.

Da sich FX in günstigere Bereiche weiterentwickelt, wird dieses Format zunehmend aber auch für "normalere" Anwendungsbereiche wie die Reisefotografie interessant. Auch wenn man die Vorteile von FX nicht dringend benötigt, sie schaden auch nicht. Mit der Vorstellung der D600 bleibt nur noch der höhere Preis und die größeren und schwereren Objektive als Argument gegen FX übrig. Wer es sich leisten kann, wird also wohl bei FX zugreifen, denn richtig klein und leicht ist auch DX nicht. Wer eine wirklich kompakte Ausrüstung sucht, der wird inzwischen bei den spiegellosen Systemkameras fündig: Micro Four Thirds von Olympus und Panasonic, Sony NEX oder auch das Fujifilm X-System.

DX wird deswegen nicht sofort aussterben, denn für kleinere, günstigere DSLR gibt es noch einen Markt. Langfristig sind die Prognosen für DX durch den Druck der Systemkameras von unten und FX von oben aber nicht so gut. Aktuell lässt Nikon uns Fotografen die Wahl innerhalb seines Systems und bietet mit FX und DX für jeden etwas.

Zum Abschluss noch ein Link auf einen Feature-Vergleich D600, D3200, D800, D4, D7000.

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