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Kaufberatung kompakte Digitalkamera

2007-09-17   Update: 2009-01-14

Digicam - Digitale Kompaktkamera - Digi-Knipse - Empfehlungen

Von Freunden und Lesern dieser Seite bekomme ich immer wieder Fragen der Art "Welche Kamera soll ich mir kaufen?" oder "Welche Digiknipse kannst du mir empfehlen?" Gerade im sogenannten Consumer-Segment gibt es viele Hersteller und laufend neue Kameras, da ist es schwer einen guten Überblick zu bekommen. Außerdem wird mit den verschiedensten Features geworben, manche sinnvoll, andere leider nur leeres Marketing. Ich will an dieser Stelle ein wenige helfen, die wirklich wichtigen Punkte bei der Kaufentscheidung zu finden.

Wofür überhaupt?

Am wichtigsten für die eigene Kaufentscheidung ist immer, sich vorher so gut es geht zu überlegen, was man mit der Kamera eigentlich machen möchte. Dabei reicht die Spanne von "Fotos im jährlichen Sommerurlaub" über "Bilder nebenbei bei Radtouren und am Strand" und "mein Hund / meine Katze / mein Baby beim Spielen" bis zu "Erinnerungsfotos von Parties" oder "Portraits von meiner Freundin". Im Profi-Bereich gibt es für die verschiedenen Situationen eine Fülle von unterschiedlicher Ausrüstung. Eine Kompaktkamera kann eher weniger, daher muss man Kompromisse eingehen. Die für alles perfekte Kamera gibt es nicht. Aus diesem Grund werde ich auch in diesem Text keine allgemeingültige Empfehlung geben können. Ich werde statt dessen darauf hinweisen, worauf man achten sollte. Wenn du also demnächst eine Kamera kaufen willst, dann frage dich ernsthaft: WAS will ich WANN und WO damit aufnehmen?

Brennweite / Zoom

Bei Kompaktkameras wird meist ein Zoomfaktor (3x, 10-fach oder sogar 20x) oder ein Brennweitenbereich angegeben (üblicherweise umgerechnet auf das Kleinbildformat in der Art 35-70 mm, 28-150 mm oder 39-300 mm). Als erstes muss man bei Angaben über den Zoombereich schauen, ob es sich um einen optischen oder digitalen Zoom oder eine Mischung aus beidem handelt. Nur ein optischer Zoom liefert wirklich zusätzliche Möglichkeiten! Der sogenannte "Digitalzoom" ist nichts weiter als ein Ausschnitt, wie ich ihn auch am Computer oder mit der Schere am ausgedruckten Bild jederzeit später noch machen kann. Wir kümmern uns hier also nur um den optischen Zoom, den digitalen können wir getrost vergessen.

Die Werbung sagt ganz klar: Je mehr Zoom, desto besser. Natürlich ist dies eine der typischen Werbeaussagen, die man so einfach nicht glauben sollte. Sicherlich ist es schön, möglichst viel verschiedene Brennweiten zur Verfügung zu haben um unterschiedliche Perspektiven fotografieren zu können. Doch die Physik der Optik hat leider ihre Grenzen und so kann man ganz allgemein sagen: Je größer der Zoombereich, desto schwieriger wird es eine gute Bildqualtität zu erreichen. Nun gibt es Kameras mit guten und mit schlechten Objektiven, sodass man nicht sagen kann die Kamera mit dem größeren Zoombereich sei automatisch schlechter in der Bildqualität. Es macht aber auf der anderen Seite keinen Sinn, unbedingt einen unglaublich großen Zoombereich haben zu wollen.

Um zu entscheiden, was für einen selbst sinnvoll ist, muss man sich statt des Zoomfaktors die Brennweite angucken, denn sie bestimmt den Bildwinkel und damit was auf das Foto kommt. Oftmals wird bei einem großen Zoombereich vor allem eine "lange" Tele-Brennweiten (große Zahl) erreicht, teilweise 300mm und mehr. Damit kann man weit entfernte Details formatfüllend auf das Foto bekommen. Allerdings sieht man es dem Foto dann auch an, dass auch großer Entfernung fotografiert wurde. Solche Brennweiten sind z.B. bei einer Safari in Afrika notwendig um die Tiere in einem Nationalpark vom Jeep aus aufzunehmen. Ich persönlich besitze 300mm als Maximum und komme normalerweise mit nur 105 mm aus. Wer lange Brennweiten mag, sollte auf einen Bildstabilisator achten (siehe weiter unten), da die Bilder sonst sehr leicht verwackeln.

Bei den kurzen Brennweiten (kleine Zahl) haben wir den Bereich des Weitwinkels. Je kleiner die Brennweite, desto größer der Bildwinkel und um so mehr Umgebung bekomme ich auf das Foto. Nun ist es nicht immer sinnvoll möglichst viel in einem Bild zu zeigen - es ist hingegen sogar ein beliebter Anfängerfehler. Aber in engen Räumen oder bei Landschaftsfotografie läßt sich nur so der Eindruck richtig einfangen. Viele Digicams haben nur 40 mm, 38 mm oder 35 mm und da sind die Möglichkeiten doch sehr begrenzt. Eine Brennweite von 28 mm bietet schon wesentlich mehr, auch wenn der Zahlenunterschied dies kaum erkennen läßt. Ich besitze für meine Spiegelreflex Brennweiten ab 18 mm und benutze diese sehr gerne! Ein Zoom 28-85 mm (3x) ist daher in meinen Augen viel interessanter als ein 35-210 mm (6x).

Auflösung / Megapixel

Auch hier sagt uns die Werbung pauschal "mehr ist besser" und im Prinzip ist das auch nicht falsch. Aber auch bei der Auflösung handelt man sich mir sehr hohen Werten Nachteile ein. Zum Einen rauscht die Kamera stärker, weil weniger Licht auf das einzelne Pixel fällt. Es bilden sich also kleine hell/dunkle oder sogar farbige Flecken bei benachbarten Pixeln. Das ist alles andere als schön! Zum Anderen machen mehr Pixel die Bilddateien natürlich auch größer, was wiederum die Kosten für Speicherkarten und Festplatten in die Höhe treibt und mehr Zeit oder einen schnelleren Computer bei der Bildbearbeitung benötigt. Vor allem aber ereichen viele Objektive in Kompaktkameras gar nicht die Auflösung, welche der Sensor aufzeichnet, sodass viele oder sogar alle der zusätzlichen Pixel gar keine weiteren Informationen beinhalten, sie sind dann reiner "Füllraum".

Im Profi-Bereich waren lange Zeit 6 Millionen Pixel (6 MPx) der Stand der Technik und damit konnten alle Aufträge erfüllt werden. Im Sportbereich waren es sogar sehr lange nur 4 MPx! Auch wenn die meisten Profis inzwischen mit höheren Auflösungen arbeiten, sind diese aus Sicht der Bildqualität und Verwendbarkeit der Fotos doch nicht zwingend notwendig. Daher halte ich bei einer kompakten Digitalkamera für den privaten Bereich 4 MPx für durchaus ausreichend, mit 6 MPx ist man auf der sicheren Seite. Damit sind hochwertige Abzüge in Din A3 problemlos möglich.

Bildstabilisator

Genau wie beim Zoom gilt auch beim Bildstabilisator: nur optisch zählt. Dabei handelt es sich entweder um eine Gruppe von Linsen die im Objektiv so verschoben werden, dass kleine Zitter-Bewegungen des Fotografen ausgeglichen werden. Oder aber der Sensor wird entsprechend verschoben. Der Effekt ist der gleiche: Es können damit auch Zeiten länger als die alte Faustregel 1 / Brennweite Sekunden benutzt werden, ohne das die Gefahr eines Verwackelns der Aufnahme besteht. Teilweise wird auch mit "digitalem Verwacklungsschutz" geworben, das ist dann aber nichts anderes als eine höhere Empfindlichkeitseinstellung, die viele andere Kameras zusätzlich zum echten Bildstabilisator bieten.

Der Bildstabilisator wird immer dann interessant, wenn das Licht nicht ausreicht um die eigentlich nötige kurze Zeit für verwachlungsfreie Bilder zu erreichen. Ein Blitz würde helfen, aber auch die Stimmung zerstören, insbesondere die kleinen in Kompaktkameras die auch leicht rote Augen machen. Oftmals ist auch die Entfernung zum Motiv so groß, dass der Blitz wirkungslos wird. Ein Verwackeln ist bei langen Brennweiten natürlich besonders schnell der Fall: Während für 35 mm 1/35 s Belichtungszeit genügen, dürfen es bei 350 mm maximal 1/350 s sein. Es ist also zehnmal (!) soviel Licht notwendig. Da meistens die Lichtstärke des Objektivs bei langer Brennweite nachläßt sogar noch mehr. Kameras mit einem sehr großen Zoombereich und damit langen Brennweiten profitieren also am meisten vom Bildstabilisator. Bei Weitwinkel funktioniert die Technik hingegen meist nicht so gut und es kommt ein anderer Punkt zum Tagen: Wird die Zeit zu lang, so sieht man auch Bewegungen des Motivs. Bei sitzenden Menschen kann das schon bei Zeiten länger als 1/30 s ein Problem werden, in Bewegung schon ab 1/125 s, beim Sport noch früher. Hier ist eine höhere Empfindlichkeit, die kurze Zeiten ermöglich daher wesentlich hilfreicher als ein Stabilisator.

Bei Architektur oder Landschaft bringt ein kleines Stativ mehr als jeder Bildstabilisator. Damit lassen sich auch mehrere Sekunden ohne Verwackeln belichten. In vielen Situationen kann auch die richtige Haltung der Kamera eine ganze Menge an Wakeln verhindern (siehe Nicht verwackeln). Der Bildstabilisator wird wiederrum besonders interessant, wenn nur mit einer Hand fotografiert werden kann, zum Beispiel während des Radfahrens. Er erreicht seine Grenzen bei sehr dunklen Umgebungen, wie zum Beispiel Parties, wo nur noch ein guter Blitz für genügend Licht zu sorgen vermag.

Empfindlichkeit / ISO

Und wieder sagt uns die Werbung: Je höher die maximal einstellbare Empfindlichkeit (z.B. ISO 1600), desto besser. Mit hoher Empfindlichkeit lassen sich Fotos bei wenig Licht machen ohne den Blitz zu benötigen, zum Beispiel am Abend oder in Räumen. Dies sind oftmals wesentlich stimmungsvollere und ansprechende Fotos als solche die mit Blitz ausgenommen wurden. Doch auch hier ist wieder die Frage unter welchen Bedingungen dies erreicht wird. Mit der Empfindlichkeit steigt immer auch das Rauschen im Bild an. Praktisch alle heutigen Digicams benutzen interne Algorithmen, die dieses Rauschen mehr oder weniger gut aus dem Bild heraus rechnen. In jedem Fall gehen dabei aber Details im Bild verloren. Je höher die Auflösung, desto schlimmer das Problem des Rauschens. Fuji bekommt die Sache derzeit am Besten in den Griff und bietet bei 6 MPx noch nutzbare ISO 800. Manch andere Digicams mit 10 MPx sehen schon bei ISO 200 schlechter aus und bieten trotzdem ISO 800, mit einer Qualität die nicht mehr zu gebrauchen ist. Hier unterscheiden sich die Digicams sehr stark. Ein verrauschtes oder unscharfes Foto ist besser als keins, aber der Nutzen solch übertriebener Empfindlichkeits-Einstellungen ist sehr begrenzt.

Sonstiges

Worauf man ganz besonders achten sollte, ist dass sich die Kamera verständlich und schnell bedienen läßt. Dazu gehört dass sie schnell einzuschalten ist, der Autofokus schnell scharf stellt und die Kamera schnell auslöst. Dann geht es damit weiter, dass das Bild schnell gespeichert wird, evtl. mehrere Bilder in kurzer Folge möglich sind und wie lange es dauert, bis ein Bild zur Ansicht auf dem Display erscheint. Natürlich spielt es auch eine große Rolle, dass die Kamera gut in der eigenen Hand liegt, die Knöpfe und Rädchen einfach zu bedienen sind, man alle nötigen Funktionen schnell einstellen kann. Sehr wichtig ist hier auch das Display: Viele aktuelle Digicams verzichten auf einen optischen Sucher, sodass man auch in dunklen Räumen und in greller Sonne das Display benötigt um zu sehen, was man aufnimmt. Nicht alle Kameradisplays schaffen dies zufriedenstellend. Da sich solche Sachen kaum auf einem Datenblatt finden ist mein abschließender und wichtigster Rat: Geh in ein gutes Fachgeschäft und nehme die für dich von den Daten her interessanten Kamera einmal in die Hand, spiele mit ihnen rum. Am Besten machst du Testaufnahmen die so nah an der späteren Verwendung sind, wie es geht. Zusammen mit dem Lesen von Testberichten die man an vielen Stellen kostenlos im Internet findet (siehe Links), kommt man so zu einem umfassenden Eindruck.

Aktuelle, interessante Kameras

Abschließend möchte ich ein paar Digicams vorstellen, die ich aus dem einen oder anderen Grund interessant finde. Bei der Suche nach der passenden Kamera, sollte man auf sie durchaus einen genaueren Blick werfen. Die Liste ist eine persönliche Zusammenstellung und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Panasonic Lumix LX3

Für Weitwinkel-Liebhaber (Landschaft, Reportage) absolut die erste Wahl. Nur wer Tele braucht muss weitersuchen.

+ sehr gute Bildqualität
+ für eine kompakte Digi mit hoher Auflösung gutes Rauschverhalten
+ viel Weitwinkel ( Zoom 24-60 mm )
+ lichtstark ( 2.0-2.8 )
+ optischer Bildstabilisator
+ Bildformate 4:3, 3:2, 16:9 bei vollem Bildwinkel, schnell umschaltbar
+ gute Bedienung
- kein Tele

Canon Powershot G10

Sehr viel Einstellmöglichkeit in einem hochwertigen Gehäuse, die richtige Kamera für Enthusiasten.

+ hohe Auflösung
+ ordentliche Brennweite ( Zoom 28-140 mm )
+ recht lichtstark ( 2.8-4.5 )
+ optischer Bildstabilisator
+ gute Bedienung
- schon etwas schwerer und größer

Panasonic Lumix FX37

Schön klein mit gutem Brennweitenbereich.

+ gute Brennweite ( Zoom 25-125 mm )
+ optischer Bildstabilisator
+ klein

Panasonic Lumix TZ5

Wenn die Kamera klein und mit viel Tele sein soll.

+ viel Brennweite ( Zoom 28-280 mm )
+ optischer Bildstabilisator
+ recht klein


Wie wohl auffällt, empfehle ich derzeit fast nur Kompaktkameras von Panasonic. In meinen Augen macht diese Firma die Sache im Moment am Besten und ein bisschen ist es wohl auch eine persönliche Vorliebe. Damit kein falscher Eindruck entsteht will ich darauf hinweisen, dass ich kein Geld für meine Vorschläge bekomme und auch sonst in keiner Beziehung zu Panasonic stehe.